Trauma in meinen Worten
Shownotes
Trauma – viele denken dabei an schlimme Unfälle oder Missbrauch. Doch Trauma kann auch in kleinen, alltäglichen Momenten entstehen, vor allem in der Kindheit. In dieser Folge erkläre ich dir Trauma mit meinen eigenen Worten – ehrlich, bodenständig und ohne Fachchinesisch.
Du erfährst an meinem eigenen Beispiel, wie sich Trauma oft unbemerkt in unser Leben einschleicht, warum wir in alte Muster und Funktionsmodi zurückfallen – und wie es dennoch möglich ist, wieder weich, lebendig und verbunden zu werden.
Am Ende wartet eine kurze Übung auf dich, die dir zeigt: Jede Wunde kann heilen – auch deine.
Erwähnt in dieser Folge:
Inspiriert durch Gabor Maté, Arzt und Trauma-Experte, der Trauma als „Wunde“ beschreibt. Mehr über ihn findest du hier: WikipediaGaborMaté
👉 Mehr über mich findest du hier: https://www.melaniefischer-coach.com
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Transkript – Folge 3: Trauma in meinen Worten
Herzlich willkommen beim Podcast „Dein blinder Fleck“.Ich bin Melanie Fischer, Coach und Mentorin für Trauma und Prägung.
Hier geht es nicht um schöne Worte oder schnelle catchy Hacks, sondern um das, was wir oft nicht sehen können oder sehen wollen: unsere eigenen blinden Flecken. Alte Muster, Prägungen und die Autobahnen in deinem Gehirn, die dich immer wieder in denselben Modus ziehen – ins alltägliche Funktionieren, egal wie sehr du dich anstrengst, da rauszukommen.
Hier wird es ehrlich, unverschönt und klar. Für Menschen, die nicht nur durchhalten, sondern sich endlich wieder lebendig fühlen wollen.
Heute möchte ich mit dir über das Thema Trauma sprechen.Viele denken bei Trauma sofort an Menschen, die schreckliche Erfahrungen gemacht haben: schwere Unfälle, Gewalt, Missbrauch, Katastrophen. All das nennt man Schocktrauma.
Daneben gibt es aber auch das Entwicklungs- und Bindungstrauma. Es entsteht in den ersten Lebensjahren – genau dort, wo wir Sicherheit, Halt und Bindung gebraucht hätten. Und genau das haben viel mehr Menschen nicht bekommen, als man oft denkt.
Vielleicht war das auch bei dir so. Vielleicht gab es in deiner Kindheit Momente, in denen du nicht gesehen wurdest, nicht gehört wurdest, in denen deine Bedürfnisse nicht verstanden wurden, in denen du oft allein mit deinem Schmerz warst.
Und weißt du: Es wird oft gesagt, traumatisierte Menschen kriegen ihr Leben nicht auf die Reihe. Sie seien psychisch krank und müssten in Kliniken. In Wahrheit sind viele traumatisierte Menschen wahnsinnig erfolgreich. Sie funktionieren, aber sie leiden trotzdem unter den Folgen – oft ohne zu wissen, warum.
Das kann heißen: Sie schlafen schlecht, drehen sich im Gedankenkarussell, fühlen sich getrieben, sind unglücklich in Job oder Beziehung. Sie funktionieren mehr, als dass sie leben.
Ich möchte dir Trauma heute mit einem Bild von Gabor Maté näherbringen – einem der größten Traumaexperten. Er vergleicht Trauma mit einer Wunde.
Stell dir vor, du verletzt dich – du schneidest dich oder fällst hin. Es entsteht eine Wunde, die blutet. Irgendwann bildet sich eine Kruste und später Narbengewebe.
Solange die Wunde offen ist, ist sie unglaublich empfindlich. Jede Berührung tut weh. Das Narbengewebe schützt zwar, aber es ersetzt das ursprüngliche Gewebe. Es ist härter, dicker, unempfindlicher – ohne Gefühl.
So ist es auch bei seelischen Wunden: Trauma ist die offene, empfindliche Wunde – oder das Narbengewebe, das zwar schützt, aber taub macht.
Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben:Eines Sonntags wollte mein Mann mit meinem Sohn Eis essen gehen. In mir drin hatte etwas so sehr gehofft, dass er mich fragt, ob ich mitmöchte. Die Frage kam nicht. Die beiden machten sich fertig, und ich spürte eine unheimliche Traurigkeit. Gleichzeitig war ich wütend. Ich brüllte ihn an:
„Na super, fürs Putzen bin ich zuständig, aber für ein Eis bin ich nicht gut genug!“
Ich fühlte mich ausgeschlossen, ungeliebt, nicht gesehen.Und wie reagierte er? „Was ist denn jetzt mit dir los?“ – verständnislos, überfordert. Als die beiden losfuhren, bin ich komplett zusammengebrochen.
Heute, mit meinem Wissen, kann ich das anders sehen. Als erwachsene Frau denke ich: „Wie schön! Vater und Sohn machen einen Ausflug. Und ich habe zwei Stunden für mich.“ Doch damals war ich gefangen in meiner Geschichte – und als sie zurückkamen, war ich kalt, unnahbar, im Funktionsmodus.
Mein System musste mich schützen. Es hat den Schalter umgelegt: Gefühle aus, Narbengewebe aktiv. Das passiert automatisch, nicht bewusst.
Der Unterschied zu körperlichen Wunden: Narbengewebe auf der Haut bleibt.Bei seelischen Wunden ist es anders: Dieses Narbengewebe kann sich wieder lösen. Wir können wieder weich, empfänglich, lebendig werden.
Heute kann ich meinen Mann und Sohn voller Freude losschicken – ohne mich ausgeschlossen zu fühlen. Ich weiß, dass ihre Nähe nichts mit meinem Wert zu tun hat. Im Gegenteil: Ich erkenne Wertschätzung darin, wenn mein Mann sagt: „Gönn dir Zeit für dich.“
Trauma ist kein Schicksal.Die Vergangenheit bleibt, aber dein System kann lernen: Du bist heute sicher. Du kannst große Gefühle fühlen, ohne daran kaputtzugehen. Du bekommst wieder Zugang zu dir, zu deinen Gefühlen, zu deiner Lebendigkeit.
Es gibt zwei Haltungen zu Trauma:
„Ich will das nicht, ich will es nicht fühlen.“ – Das ist verständlich, hält uns aber im Funktionsmodus.
Oder: „Aha, spannend, was passiert da in mir?“ – Mitfühlend, neugierig, ohne Verurteilung.
Genau da beginnt Veränderung. Nicht indem wir Wunden ignorieren, sondern indem wir ihnen Raum geben – und uns selbst Raum geben.
Zum Schluss lade ich dich ein, kurz bei dir anzukommen:Atme tief ein, halte einen Moment, atme wieder aus.Spüre deinen Körper: Gibt es Druck, Enge, Wärme, Kribbeln? Vielleicht Traurigkeit, Hilflosigkeit, Wut oder Scham?
Lege deine Hand aufs Herz und sag dir innerlich:„Jede Wunde kann heilen – auch meine.“
Lass Mitgefühl entstehen, vielleicht Dankbarkeit.Atme nochmal tief durch und nimm dieses Gefühl mit in deinen Tag.
Das war „Dein blinder Fleck“.Ehrlich, unverschönt und klar. Danke, dass du dabei warst.
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Wir hören uns in der nächsten Folge. Ich freue mich auf dich – bis bald!
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